Sydney Hobart: Drei TP52 auf dem Podium – “Comanche” schnellste Yacht

“Comanche” beim Sydney Hobart 2019.

 
 
 

Beim Sydney Hobart hat sich “Comanche” relativ deutlich für eine dramatische Niederlage vor einem Jahr revanchiert, auch wenn Eigner Cooney wieder zitterte. In der Gesamtwertung dominierten die TP52-Yachten.

Der 100 Fußer “Comanche” ist ohne Frage die schnellste Hochsee-Einrumpfyacht seit sie ein Jahr nach dem Stapellauf (2014) ihrer Bestimmung folgte und den 24-Stunden-Rekord auf 618 Meilen hochschraubte. Seit 2016 hält sie auch den Atlantik-Rekord (5 Tage, zwei Stunden). Aber für das Rolex Sydney Hobart Race ist sie eigentlich nicht gemacht – zu breit, zu sehr auf Raumschotsspeed ausgelegt.

Und die 628 Seemeilen nach Tasmanien bieten meistens alles andere als reine Glitschbedingungen. Auch gerade deshalb ist diese Regatta so berühmt geworden. Mal stürmt es von vorne, mal säuselt es von hinten – kaum ein Hochseerennen fordert die Wetterrouter und Strategen so sehr heraus wie in diesem Seegebiet.

Deshalb sieht das optimale Design für eine Sydney-Hobart-Siegeryacht nicht unbedingt so aus, wie “Conanche” mit ihrer Flugzeugträger-Anmutung. Vielmehr bevorzugen hohe Kreuz-, Vorwind- und Flauten-Anteile eher die schmalen “Nadel”-Konstruktionen – so wie “Wild Oats XI”, die neunmalige Siegeryacht.

Wie groß die Probleme von “Comanche” gegen die 100-Fußer-Gegner sein können, zeigte die Startkreuz. Nach schwachem Start lag sie an der ersten Tonne nur auf Rang fünf. Danach passten die Bedingungen besser, und der Favorit surfte mühelos an den großen Konkurrenten vorbei.

Dennoch wurde es wieder einmal knapp kurz vor dem Ziel in Hobart. “Comanche” blieb in einem Flautenloch hängen und “InfoTrack” rauschte bis auf drei Meilen an die führende Yacht heran. Eigner Jim Cooney sah sich schon an das vergangene Jahr erinnert als er kurz vor dem Ziel noch auf Platz drei verwiesen wurde.

Der Australier, der sein Geld mit erneuerbaren Energien verdient (TCI Renewables) und unter anderem einige der größten Windfarmen in Großbritannien aufstellte, kaufte “Comanche” 2017 vom Amerikaner Jim Clark und gewann auf Anhieb in der Rekordzeit von 1 Tag, 9 Stunden, 15 Minuten. Allerdings hatte der Sieg einen Beigeschmack, da er erst nach einem Protest gegen Konkurrent “Wild Oats XI” zustande gekommen war.

Diesmal segelte der Dauersieger von Anfang an chancenlos und enttäuschend hinterher. Er sicherte sich nur knapp mit 38 Sekunden Vorsprung den Bronze-Platz vor “Scallywag” und hinter “InfoTrack”.

Gesamtsieger beim Tattersall Cup nach IRC Wertung

Beim Sydney Hobart mögen die alten, gepimpten 100 Fußer im Blickpunkt stehen, aber der offizielle Sieg (Tattersall Cup) wird jeweils in der IRC Wertung ausgesegelt. Dafür gilt es, das optimale Bootsdesign für die herrschenden Bedingungen auszuwählen.

Dazu gehört viel Glück. Aber in den vergangenen Jahren hat sich die Meinung durchgesetzt, dass TP52-Yachten auf dem ambitionierten Allround-Kurs gut funktionieren. 2019 war der Sieg von Matt Allan und seiner “Ichi Ban” eine eindrucksvolle Bestätigung dieser These.

Ein große Überraschung war das nicht. Allan hatte schon 2017 im Jahr des Stapellaufes mit seinem Neubau gewonnen und auch diesen Sieg generalstabsmäßig vorbereitet. Aber auch auf den weiteren beiden Podiumsplätzen landeten TPs.

“Gweilo” – mit demselben Handicap-Wert ausgestattet – segelte 24 Minuten hinter den Siegern ins Ziel. Die ältere “Quest” lag berechnet gut zweieinhalb Stunden zurück. Sie hievte sich durch einen Protest auf das Podium, weil TP-Konkurrent “Envy Scooters” nach einem Backbord-Steuerbord-Vorfall auf der Startkreuz eine Zwei-Stunden-Strafe aufgebrummt bekam und auf Platz sechs zurück fiel.