Erfolgreiche Premiere für neue Yacht aus MV

Erfolgreiche Regatta-Premiere: Oliver Schmidt-Rybandt und Otto Timm auf der neuen Dehler-30-od-Yacht.

 
 
 

Von Rostockern geplant, in Greifswald gebaut – die Dehler 30od überzeugte bei ihrer Premiere. Oliver Schmidt-Rybandt und Otto Timm segelten bei der Langstrecken-Regatta Baltic 500 als drittes Boot über die Ziellinie. Die schnelle Hochsee-Yacht könnte 2024 olympisch werden.

Oliver Schmidt-Rybandt gerät ins Schwärmen. „Alle Erwartungen und Hoffnungen wurden übertroffen. Sie ist unvorstellbar schnell, für alle Bedingungen gut geeignet, kann völlig problemlos mit großen Booten mithalten und ist absolut zuverlässig. Und sie verzeiht Fehler“, beschreibt der 42 Jahre alte Wahl-Rostocker die neue Dehler-30od-Yacht.

Die Regatta-Premiere der 10,30 Meter langen und 3,25 Meter breiten „Power Play“ war erfolgreich. Schmidt-Rybandt und Otto Timm fuhren bei der Langstrecken-Regatta Baltic 500 als drittes Boot über die Ziellinie.

Innerhalb knapp drei Tagen ging es nonstop über 500 Meilen ( 926 Kilometer) um die dänischen Inseln.

„Von Sturmböen mit richtig finsteren Regenfällen, bei denen man nicht mehr die Hand vor Augen gesehen hat, bis zu traumhaften Sonnenaufgängen – außer Schnee und Hagel war alles dabei“, berichtet Schmidt-Rybandt, der nach zwei Tagen, 22 Stunden und 20 Minuten die Ziellinie in der Strander Bucht vor Kiel überquerte.

35 Boote nahmen an der ersten und europaweit bisher einzigen Regatta seit der Corona-Pandemie teil. Es war ein Härtetest für Mensch und Material. „Ich hatte nur eine warme Mahlzeit und habe vielleicht in Summe dreieinhalb Stunden geschlafen“, berichtet Schmidt-Rybandt, der das sogenannte Doublehand-Rennen mit einem gebrochenen Mittelfuß meisterte.

Im Alltag wäre die Belastung sicherlich größer gewesen, meinte der gebürtige Magdeburger, der an Bord einen Stützstiefel trug.

Oliver Schmidt-Rybandt und das Team Speedsailing haben das Projekt Dehler 30od von Anfang an begleitet. 2017 legte das renommierte Kontruktionsbüro Judel/Vrolijk & Co den ersten Designentwurf vor. Dem folgte der Feinschliff.

Im vergangenen Herbst wurden die ersten beiden Prototypen des Offshore-Renners gebaut. Bei Testfahrten vor Warnemünde und vor Cannes wurden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 20,7 Knoten (umgerechnet über 38 Kilometer pro Stunde) erreicht. Im Frühjahr lief auf der HanseYachts AG in Greifswald die Serienproduktion an.

„Das Boot ist ‚Made in MV‘“, freut sich Speedsailing-Mitinhaber Martin Kringel.

Die 160 000 Euro teure Segelyacht wurde auf Messen in Cannes, Genua, Barcelona und Hamburg präsentiert. Auf Deutschlands größter Boots- und Wassersportmesse, Ende Januar in Düsseldorf wurde die Dehler 30od von Europas führenden Segel-Magazinen zur „European Yacht Of The Year 2020“ gekürt. „Eigentlich muss man sich als Konstrukteur immer überlegen, ob man das Boot besonders sicher oder besonders leicht und schnell macht. Hier ist beides geglückt“, meint Oliver Schmidt-Rybandt.

Auch Martin Kringel ist zufrieden. „Das Schiff sorgt in der weltweiten Seglerszene für krasses Aufsehen“, freut sich der 49 Jahre alte Rostocker. Boote wurden bereits nach Frankreich, Griechenland, die Niederlande, USA, Schweden, Dänemark und Ungarn verkauft.

Auch zwei der vier im Rostocker Stadthafen liegenden Yachten haben bereits neue Besitzer gefunden. „Das hilft uns ein wenig in der schwierigen Corona-Zeit, weil unser eigentliches Geschäft, das Segeln mit Gästen, seit Anfang April nicht möglich ist“, macht Kringel deutlich.

Der Dehler 30od winkt vielleicht sogar der Sprung in die olympischen Segelklassen. Im Jahr 2024 soll in Frankreich der Olympiasieger in der Disziplin Doublehand-Mixed-Offshore gekürt werden. „Das Boot würde perfekt passen“, meint Kringel. Auch Oliver Schmidt-Rybandt ist zuversichtlich: „Ob es das Boot wird, werden wir sehen, aber es sieht gut aus.“