Totalschaden: Weltumsegler-Yacht sinkt vor Formentera

Weltumsegler-Yacht sinkt vor Formentera

 
 
 

Seit etwa einem Jahr ist der Kanadier Kenny Caselli mit seinem Hund Mika bereits auf den Weltmeeren unterwegs, als seine Yacht Sailing Sea Dogs in einer Ankerbucht vor Formentera auf Grund läuft. Das Ergebnis: Totalschaden. Ganz unschuldig ist Kenny daran nicht. Mittlerweile hat das Video, das den Unfallhergang und die Bergung rekonstruiert, mehr als 200.000 Aufrufe.

Als Kenny mit Bordhund Mika und den zuletzt in Australien lebenden Weltumseglern James und Nat Ende August von einem Landausflug zurückkehrt, bietet sich ihnen ein schockierendes Bild. Seine Segelyacht Sailing Sea Dogs, eine Endeavour 42, mit der er bereits die Karibik besegelte und den Atlantik überquerte, liegt nicht mehr neben der Zephyr der Australier vor Anker, sondern nur noch wenige Meter vom Strand entfernt auf einem Riff.

Zunächst vermuten die Segler noch, jemand könnte den Anker gelöst haben, aber schnell wird klar: Die Sea Dogs wurde durch den starken Schwell der vorbeifahrenden Fähren in Mitleidenschaft gezogen, während die drei Segler Formentera erkundeten. Ohne einen Dämpfer zwischen Kette und Ankerwinde hatte diese den plötzlichen Ruckbewegungen nachgegeben.

Kenny berichtet später: „Zunächst hat sich durch den Schwell der Fähren die Kupplung an der Ankerwinde gelöst und die Kette rauschte aus. Dann ist auch die Sicherheitsleine, die das Ende der Kette im Kettenkasten mit dem Boot verbindet, gerissen. Ich bin die Nacht zuvor durchgesegelt, war übermüdet und zeitlich unter Druck, weil ich noch am selben Tag Sardinien erreichen wollte“, versucht er weiter zu erklären. „Dadurch hatte ich einfach vergessen, meinen Rückdämpfer anzubringen. Ein folgenreicher und teurer Fehler.“ Seine Ankerkette rollte sich komplett ab und die Yacht wurde in der Folge Richtung Küste getrieben.

Als die drei Segler das Boot in Augenschein nehmen, entdecken sie unter anderem ein klaffendes Loch im Kiel. Im Inneren der Yacht herrscht Chaos, das Wasser steht kniehoch. Kenny klettert trotzdem unter Deck: „Mein ganzes Leben wurde auf den Kopf gestellt“, stellt er dort fest.

Während der Schaden zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr bereits dramatisch aussieht, scheint der sich durch das später herbeigerufene Bergungsteam sogar noch zu verschlimmern. Die Yacht wird über die Felsen wieder ins Meer gezogen.

Als die Sea Dogs schließlich geborgen ist, bekommt der Segler Gewissheit: Die Schäden am Kiel, an den Treibstofftanks und am Mast sind gemessen am Wert des Bootes zu groß. Kenny und sein Hund Mika müssen ihr schwimmendes Zuhause aufgeben. Totalschaden. Und eine Versicherung hat Kenny nicht.

Mitte Oktober entschließen sich James und Nat dazu, Kennys Geschichte auf ihrem YouTube-Kanal „Sailing Zephyr“ zu erzählen – auch damit andere Segler aus seinem Erlebnis lernen können, wie sie erklären.

Die Anteilnahme ist groß. Schon wenig später zählt das Video mehr als 200.000 Aufrufe. Hunderte von Zuschauer bekunden Kenny und Mika ihr Beileid und gestehen, kaum mit ansehen zu können, wie er seine Yacht verliert.

Gleichzeitig sind sie sich aber auch einig: Wäre Kenny beim Ankern sorgfältiger vorgegangen, hätte das Unglück womöglich verhindert werden können. Das Video könne daher tatsächlich als Warnung dienen, selbst nicht nachlässig zu werden. Aber auch die Arbeit der Bergungshelfer wird letztlich heftig kritisiert. So erscheint es einigen so, als hätten sie die Sea Dogs erst zu einem Totalschaden gemacht.

Kenny lässt diesen Punkt zwar weitgehend unkommentiert, nimmt aber selbst immer wieder Stellung zu anderen User-Kommentaren, bringt die Zuschauer auf YouTube und seiner Facebookseite auf den neuesten Stand, bedankt sich für den Zuspruch und die Teilnahme an der Spendenkampagne, die unter dem Video verlinkt ist.

Trotz des großen Verlustes scheint er aber auch schon wenige Wochen nach dem Unfall zuversichtlich zu sein: „Ich arbeite daran, Mika und mich wieder aufs Wasser zu bringen“, verkündet er. „Bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, was in Sachen Sea Dogs 2.0 passiert. Ich bin bereit für eine neue Herausforderung.“