Weltrekord: Größtes Boot aus einem 3D-Drucker – Auch 6.50 m Yacht vorgestellt

Das Patrouillenboot wurde vom amerikanischen Ingenieurbüro Navatek entworfen.

 
 
 

An der US-amerikanischen Universität Maine ist ein 25 Fuß langes Motorboot „gedruckt“ worden: Weltrekord! Auch ein Mini 6.50 kam schon aus dem Drucker.

Nach 72 Stunden Arbeit stoppte der 3D-Drucker am 22. September 2019 und gab sein Werk frei: Ein circa 2268 Kilogramm schweres und 25 Fuß langes Patrouillenboot, genannt „3Dirigo“. Mit gleich drei Weltrekorden konnte sich die Uni Maine damit im Guinness-Buch der Rekorde verewigen: zum einen der weltgrößte Polymer-3D-Drucker, das größte bisher gedruckte Objekt und eben das größte je gedruckte Boot.

Zellulose zum Drucken

Der neue 3D-Drucker wurde entwickelt, um Objekte bis zu einer Länge von 100 Fuß, 22 Fuß Breite und 10 Fuß Höhe herstellen zu können. Er soll mit bis zu 500 Pfund pro Stunde drucken können. Die Maschine wird weiter in der Forschung eingesetzt und soll mehrere Initiativen unterstützen, darunter die Entwicklung biobasierter Rohstoffe unter Verwendung von Zellulose aus Holzvorkommen.

Maine ist der waldreichste Bundesstaat Nordamerikas, deshalb unterliegt dort die kommerzielle Nutzung von Holz als nachhaltiger Werkstoff auch besonderen wirtschaftlichen Anreizen. Ein Ziel sei es, mit 50 Prozent Holzanteil zu drucken und dabei ähnliche Materialeigenschaften wie Aluminium zu erreichen, so ein Mitarbeiter der Universität Maine.

Gedruckte Infrastruktur

Der Riesen-3D-Drucker dürfte dabei keineswegs nur im Bootsbau zum Einsatz kommen. Verschiedene Einsatzbereiche sind denkbar. Ein großer Aufgabenbereich soll der schnelle Prototypenbau für Zivil-, Verteidigungs- und Infrastrukturprojekte sein.

Kein Wunder also, dass auch die US Army an dem Projekt beteiligt ist. Neben dem gedruckten Boot wurde bei der Vorstellung am 10. Oktober 2019 auch ein gedruckter, 12 Fuß langer Kommunikationsunterstand vorgestellt. Ein 76 Fuß langer Träger aus Verbundwerkstoff soll demnächst gedruckt werden und für den Bau einer Brücke eingesetzt werden.

Formenbau

Schon seit Jahren wird die 3D-Druck-Technik als potenzielle Revolution in der Fertigung betrachtet. Mittlerweile sind kleinere Drucker auch für den Endkunden erschwinglich geworden und Baupläne frei im Internet erhältlich. So kann jedermann zu Hause kleinere Teile selbst herstellen.

Bisher wurden in den USA bereits Laminierformen mit 3D-Druckern hergestellt, die aber aus mehreren Einzelteilen bestehen und anschließend zusammensetzt werden müssen. Das würde sich mit dem neuen Groß-Drucker nun ändern und könnte den teuren Formenbau für Serien-Boote vergünstigen.

Mini 6.50 Yacht vorgestellt

Anfang des Jahres ist auch schon in Italien mit 3D-Drucker-Hilfe ein 6.50 Mini entstanden. Das Start-up-Unternehmen OCore weihte in Palermo beim Circolo della Vela Sicilia die kleine Rennyacht ein, mit der Alessandro Torresani in diesem Jahr beim Mini Transat teilnehmen sollte. Das Projekt wurde mit großem TamTam angekündigt und das Hamburger Chemie-Unternehmen LehVoss präsentierte sich als Partner für die Material-Bereitstellung und den Entwicklungsprozess.

Aber seitdem ist es sehr ruhig geworden um die Initiative. Die Versuche auf See sollen begonnen haben, waren aber offenbar nicht erfolgreich. Jedenfalls ist Torresani nicht bei der aktuellen Mini Transat am Start.