„Brutale Kollision“ unterbricht Rückfahrt der Greta-Yacht

Malizia am Haken

 
 
 

Während Greta Thunberg in Washington Barack Obama trifft, segelt die Yacht „Malizia II“ zurück nach Europa. Das verläuft nicht ohne Komplikationen: Nach einer Kollision wurde das Schiff aufwendig untersucht. Dafür musste sogar ein Experte eingeflogen werden.

Greta Thunberg ermahnt die Mitglieder des US-Kongresses und will ihr Lob nicht, Greta Thunberg trifft Barack Obama, Greta Thunberg nimmt den Preis „Botschafter des Gewissens“ von Amnesty International entgegen – was um die schwedische Klimaaktivistin herum seit ihrer Ankunft in den USA geschieht, ist verhältnismäßig gut dokumentiert.

Um das Schiff, mit dem die 16-Jährige klimaneutral über den Atlantik segelte, ist es dagegen eher ruhig geworden. Dabei verläuft die Rücküberführung der „Malizia II“ durchaus nicht ereignisarm – und steht offenbar unter keinem guten Stern.

Denn das Boot stieß kurz nach seiner Abfahrt bei einer Geschwindigkeit von 20 Knoten mit einem nicht identifizierbaren Gegenstand zusammen, möglicherweise einem Container oder einem Wal, wie der Online-Fachdienst „Segelreporter.com“ berichtet.

Nicht alle Mitglieder der Crew kamen dabei glimpflich davon. „Ich flog durch die Koje, knallte ziemlich hart mit dem Kopf gegen das Boot und versuchte herauszukommen“, sagte einer der Segler in einem Video auf der Facebook-Seite von Skipper Boris Herrmann. Die „brutale Kollision“ zwang die Crew, in den Hafen von St. Pierre südlich von Neufundland einzulaufen.

Dort war das Team erst einmal zum Nichtstun verdammt, denn die millionenteure Segelyacht musste auf strukturelle Schäden überprüft werden. Dafür musste eigens ein Ultraschallexperte eingeflogen werden, wie der „Segelreporter“ ausführte.

Die ohnehin zweifelhafte CO2-Bilanz des Unterfangens verschlechtert sich damit weiter: Denn mehrere Crewmitglieder des „Team Malizia“-Segelprojekts waren zuvor bereits nach New York geflogen, um das Boot dort in Empfang zu nehmen und anschließend zurück nach Europa zu segeln.

Immerhin: Nach der eingehenden Untersuchung kann das Boot nun endlich wieder Kurs auf Frankreich nehmen. Eigentlich war der Plan gewesen, die „Malizia II“ mit Rekordgeschwindigkeit zurück zu überführen. Doch das Ziel der Crew von Skipper Herrmann, am 27. Oktober an der Transatlantikregatta „Transat Jaques Vabre“ von Le Havre in die Karibik teilzunehmen, war nicht nur durch die Kollision gefährdet. Auch die Ausläufer von Hurrikan „Dorian“ machten eine Pause notwendig, so der „Segelreporter“ weiter. Inzwischen ist die rechtzeitige Ankunft aber gesichert.

Greta Thunbergs Entscheidung, mit der „Malizia II“ in die USA zu gelangen und so klimaneutral zu reisen, hatte scharfe Kritik ausgelöst. Einen Tag nachdem die Yacht in England abgelegt hatte, bekannte der Sprecher von Skipper Herrmann Farbe: Der „taz“ sagte er, dass der Transatlantikflug der Teammitglieder nach New York unumgänglich sei.

„Natürlich fliegen die da rüber, geht ja gar nicht anders“, sagte Andreas Kling. Die „Malizia II“ sei als reines Offshore-Rennboot im Hafen extrem schlecht zu manövrieren und müsse nach einem Törn aufwendig gewartet und neu mit Proviant versorgt werden.