Seglertage: Die ersten Yachten reisen an

Die Libera Raffica ist da und ihren Aufbau mit Hilfe des Wundelkrans beobachten die Hafenbesucher gespannt

 
 
 

Die viertägigen Lindauer Seglertage zur 69. Rund Um haben am Donnerstag begonnen. Die ersten Boote sind angereist, und am Mangturm haben traditionell die Händler des Maritimen Hafenflohmarkts ihre Stände aufgebaut und ihre Schätze zum Verkauf angeboten.

Noch scheint die Sonne mild durch eine unterbrochene, leichte Wolkendecke. Die Mannschaft der ungarischen Libera Raffica ist bereits angereist – die Yacht hängt schon am Wundelkran, der sie zum Aufbauen vom Hänger auf das hohe Gestell hebt. Spektakuläre Augenblicke sind das, für die Besucher am Hafen und eine schöne Einstimmung auf das sportliche Großereignis auf dem Bodensee, zu dem am Freitagabend um 19.30 Uhr der Startschuss fällt. Es wuselt moderat an der Hafenpromenade, über die der Duft nach heißen Seelen, Würstchen und anderen Leckereien weht, die an den Verpflegungsstandorten angeboten werden. Die Sitzplätze der Gastronomen direkt am Ufer sind locker mit Gästen besetzt. Am Rüberplatz dreht das bunte Kinderkarussell lustig seine Runden und an den Tischen des Maritimen Hafenflohmarkts wird eifrig gefeilscht, begutachtet, gehandelt und schließlich gekauft.

Peter Bauer aus Tettnang, der jedes Jahr als Händler zum Maritimen Flohmarkt kommt, ist von einer Gruppe Leute umringt, die sich alle für seine Anker interessieren. Vorilahy Lalah Randrianarison hat vor wenigen Minuten schon einen gekauft, jetzt will er einen zweiten kaufen. „Die sind für meine Familie auf Madagaskar“, erklärt er und erzählt mit breitem Lachen, dass seine Eltern aus Madagaskar und Nizza stammen, er in Frankreich seine Frau – eine Lindauerin – kennengelernt hat, und jetzt mit ihr hier auf der Insel lebt – von einer Insel ist er also auf die nächste gezogen, wenn auch auf eine etwas kleinere. Seine Familie, so sagt er, hat ein großes Schiff vor Madagaskar liegen. Die beiden Anker und dazu etliche Bootsleinen bringt er ihr beim nächsten Besuch mit. Die Anker, die ihre Karriere also im Bodensee gestartet haben, kommen nun in den Indischen Ozean.

„Ist das nicht eine schöne Geschichte?“ freut sich Bauer. Überhaupt findet er den Maritimen Flohmarkt in Lindau wunderbar – wenn er auch recht klein sei, so findet doch so manches maritime Schätzchen seinen Liebhaber. „Das ist nachhaltig und vermeidet Müll. Auf einem Flohmarkt findet man immer ein passendes Teil das man schon lange sucht und so sonst nicht mehr zu kaufen findet. Der eine braucht es nicht mehr, der andere ist froh darüber.“ Vor allem das Handeln und Feilschen findet Joe Meinrad am Flohmarkt besonders schön und er erzählt freudestrahlend, dass er einen schönen alten Boots-Kugelkompass gefunden habe, für den er einen „echt fairen Preis“ ausgehandelt habe. Ein paar Regentropfen am späten Mittag tun der heiteren Stimmung keinen Abbruch. Während weitere Segler anreisen, bringt der Seemannschor aus Friedrichshafen Seefahrerromantik an den Hafen, und abends spielt die junge Vorarlberger Band Kurzfristig an der Hafenpromenade, während im Festzelt des Lindauer Seglerclubs Karl Frierson and the Soulprint Band „good Vibrations“ in das Festzelt bringen.