Boots-Entsorgung: Abwrack-Aktion für Tausende Boote


 
 
 

In Frankreich sollen bis 2023 über 20.000 alte GFK-Boote entsorgt werden. Ab Mai läuft die landesweite Aktion, die für Eigner weitestgehend kostenfrei ist

Es ist kein schöner Anblick: alte Schiffe, für die sich niemand mehr interessiert und die irgendwo in der Ecke eines Hafens oder Stellplatzes vor sich hingammeln. Unter einer Schmutzschicht schlummern da meist GFK-Boote, 30 oder 40 Jahre oder gar noch älter, deren Eigentumsverhältnisse oft unklar sind. Solange sich aber niemand um Refit, Verkauf oder die teure und aufwendige Entsorgung kümmert, bleiben die Gefährte, wo sie sind.

So zumindest in Frankreich, wo seit Jahren an einer Lösung für das wachsende Problem dieser sogenannten „Sportboote ohne Nutzung“ gearbeitet wird. Studien der französischen maritimen Non-Profit-Organisation APER und der Agentur für Umwelt und Energiewirtschaft ADEME ergaben, dass 40.000 bis 50.000 GFK-Boote im Land nicht mehr genutzt werden und de facto schrottreif sind – vom Angelboot bis hin zur Segelyacht.

Umfangreiches Abwrack-Projekt nimmt Fahrt auf

„62 Prozent der Boote sind unseren Schätzungen und Hochrechnungen zufolge zwischen sechs und acht Meter lang“, berichtet Guillaume Arnauld des Lions, zuständig bei der APER (Association pour la Plaisance Eco-Responsable). Rund 30 Prozent seien Segelboote.

Der Branchenverband Fédération des Industries Nautiques (FIN) hat die APER als Zusammenschluss aus Bootswerften und -importeuren bereits 2009 ins Leben gerufen, um das Problem der Entsorgung der großen Menge alter Kunststoffschiffe zu lösen. Ihr Präsident ist Jeanneau-Chef Jean-Paul Chapeleau, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender der FIN. Seit dem 2. März 2019 ist die APER nun durch einen Beschluss des Umweltministeriums offiziell als „Eco-Organisation“ für die Entsorgung zuständig, und das Projekt gewinnt an Fahrt.

Über 20.000 Boote in fünf Jahren

Ab Mai 2019 soll mit dem Rückbau und der Verschrottung von Booten begonnen werden. Dafür arbeitet die APER mit Müll- und Verwertungsanlagen zusammen, die sie als sogenannte „zertifizierte Rückbauzentren“ klassifiziert. Etwa 60 Bewerbungen von bestehenden Müllverwertungsanlagen seien eingegangen, berichtet Arnauld des Lions.