Beste Zweihand-Yacht: Wie sich der World Sailing Präsident die Auswahl vorstellt


 
 
 

Die Entscheidung für die Olympia-Disziplin Mixed Doublehanded Offshore bildet den Trend zum Segeln mit kleiner Crew ab. Wie der Weltseglerverband es schaffen will, die Entwicklung nicht im Keim zu ersticken.

Das Hin- und Her um die Olympia-Disziplin für Paris 2024 ist mehr als die Auswahl eines Sportgerätes für eine kleine Anzahl Spitzensportler. Es geht um echte seegängige Yachten im 30-Fuß-Segment, um Material für mehr als 100.000 Euro, um einen lukrativen Markt.

Kein Wunder, dass viele Werftchefs ein Geschäft wittern. Und für den Kunden kann das nur gut sein. Der Wettbewerb drückt auf die Preise, und die besten Konstrukteure der Welt zerbrechen sich den Kopf über besonders spannende Neuentwicklungen in der Cruiser-Racer-Szene.

Umso mehr wird die Politik des Weltseglerverbandes beäugt. Wann fällt die Entscheidung bezüglich der Olympiaklasse für 2024? Welche Politik verfolgt der Verband? Welchem Design gibt er einen Segen? Wie soll es gelingen, weniger finanzkräftige Nationen zum Einstieg zu verhelfen?

Mixed Offshore Vorentscheidung?

Da kommt der Entscheidung von World Sailing bezüglich der ersten Mixed Offshore Weltmeisterschaft 2020 eine besondere Bedeutung zu. Ist die Wahl der L30 des Ukrainers Luka Rodion für die WM in Malta eine Vorentscheidung? Sollten sich ambitionierte Segler ein solches Boot schon jetzt zum Training besorgen?

Rodion wirbt mit einem Preis segelfertig von unter 90.000 Euro – die Basis Kosten ohne MWS sollen 68.615 Euro betragen. Das scheint erste einmal schwer schlagbar zu sein und war mit ein Grund für die Wahl zum WM-Boot. Zum Beispiel die spannende Dehler 30 OD, die mit im Gespräch gewesen sein soll, ist teurer. Und es dürfte ein erhebliches finanzielles Risiko dargestellt haben, mal eben 20 Yachten für das Event in Malta zur Verfügung zu stellen.

Die L30 Macher setzen voll auf die Olympiakarte, und für die Segler ist solch ein Engagement gut. Aber dennoch heißt es noch lange nicht, dass die Offshore-Pärchen 2024 vor Marseille schließlich mit dem spannenden Trailerboot an den Start gehen werden.

Gestellte Flotten

Das hat jetzt der World Sailing Präsident Kim Andersen bestätigt. Er stellt in seiner jüngsten Verlautbarung fest, dass für die WM- und Olympia-Qualifikation erst eine Liste mit passenden Yachten erarbeitet werde, die als vom Veranstalter gestellte Flotten in Frage kommen. Die zu benennenden nationalen, regionalen und kontinentalen Wettbewerbe sollen also mit verschiedenen Typen gesegelt werden. Die finale Entscheidung über das Olympia-Material werde erst nach den Qualifikationen fallen. Vor 2023 soll sie nicht erfolgen.

Offiziell heißt es aber bei World Sailing: Das Thema werde auf der Halbjahrestagung 2019 ausführlich diskutiert. Eine endgültige Entscheidung zum Vorgehen falle dann im November bei der Jahreskonferenz 2019 auf den Bermudas.

Eine späte Entscheidung soll verhindern, dasse potenzielle Olympia-Bewerber-Crews schon früh Boote erwerben müssen, um sich das nötige Spezialwissen mit der jeweiligen 100.000-Euro-Yacht aneignen zu müssen.

Besonders beim internationalen Match-Race-Zirkus hat das Prinzip der gestellten Flotten bisher gut funktioniert. Und damit kann World Sailing es sogar schaffen, dass kleinere Nationen mit Mini-Budget ihre Einsätze auf der Hochsee-Bühne bekommen.

Einfache Logistik, geringer Preis

Aber sicher ist, dass die L30 der zukünftigen Olympiaklasse offensichtlich schon sehr nahe kommt. Dabei ist auch sie nicht explizit für diese Option erdacht worden. Geschäftsführer Sergey Cherny erklärt: “Bei der Bekanntgabe der Ausschreibung für die Offshore-Weltmeisterschaft haben wir festgestellt, dass unser Boot den aufgeführten Kriterien entspricht. Es kombiniert eine gute Allround Offshore-Leistung, einfache Logistik, streng einheitliches Design und ist für eine große Anzahl von Seglern erschwinglich.”

Der Volvo-Ocean-Race-Sieger Charles Caudrelier hat das Schiff schon getestet. Er sagt, “Ich habe die L30 einen Tag lang bei ruhiger See und wenig Wind gesegelt. Sie wurde ursprünglich für das Segeln auf einem See entworfen. Sie ist extrem leicht und schnell bei wenig Wind. Sie springt gut an und ist gut durchdacht. Aber es gibt zwei, drei Dinge, die mir Sorgen machen, wie die beiden Steuerräder. Aber sie ist ein schönes Rennboot und einfach für zwei Personen zu segeln.

Ich denke, dass Segler, die aus der Olympiaszene kommen, sich wohl fühlen werden, wegen des geringen Gewichtes. Ebenso die Offshore-Racer. Aber geht man mit diesem schmalen, wenig steifen Boot bei 35 Knoten Wind und 10 Fuß hohen Wellen aus? Das bezweifle ich. Die L30 scheint mir ein Boot für kürzere Rennen nahe der Küste zu sein. Sie ist einer Farr 30 näher als an einem Figaro.”

Naturgemäß sieht Sergey Cherny von der L30 Werft die Antwort auf die Offshore- Fähigkeiten anders: “Der Geschwindigkeitsrekord von 24,7 Knoten wurde bei rauer See mit 34 Knoten Wind erreicht. Das Boot leistet außergewöhnlich gute Leistungen bei leichtem Wind und zeigt 3,8 Knoten Bootsgeschwindigkeit bei 3 Knoten Wind. Es ist mit Trimmklappe ausgestattet, die mehr Leistung beim Segeln am Wind bietet und das Vorwindsegeln bei Starkwind erleichtert.”