Zwingt die Türkei Charteryachten unter türkische Flagge?


 
 
 

Kurz vor den Wahlen in der Türkei plant das Tourismusministerium, Charteryachten unter ausländischer Flagge im Land zu verbieten. UPDATE: Auf 2020 verschoben

**UPDATE: Wie zwei Teilnehmer an dem Treffen übereinstimmend berichten, hat das Tourismusministerium nun doch beschlossen, die Ausflaggung auf 2020 zu verschieben.

Nachdem die arg gebeutelte Charterbranche in der Türkei gerade auf dem Wege der Erholung war und erste Flottenbetreiber neue Basen eröffneten, droht ein neuer herber Schlag. Wie diverse Charterfirmen-Besitzer bestätigen, wird im Tourismusministerium derzeit erwogen, zum Saisonstart nur noch Yachten unter türkischer Flagge eine Charterlizenz auszustellen.

Da die bestehenden Genehmigungen der Flotten am 31. März auslaufen, stellt das die Flottenbetreiber unter erheblichen Zugzwang. Sie müssten bis zu den ersten Buchungen im April alle Schiffe Umflaggen – ein Schritt, der vielen europäischen Eignern nicht gefallen dürfte.

Yachten unter allen ausländischen Flaggen wurden in der Türkei bislang anders besteuert als einheimische: Eigner, die ihr Schiff unter deutscher Flagge in eine Charterflotte gaben, mussten eine jährlich gültige Charterlizenz erwerben, mit der die Steuer per Koje bezahlt wurde. Es gab einen festen Satz von 250 US-Dollar pro vorhandener Koje, egal, wie viele Wochen das Schiff in Charter lief. Bei guter Auslastung ein attraktives Modell.

Zwei europäische Flottenbetreiber, die namentlich nicht genannt werden wollten, bestätigten gegenüber der YACHT, dass eine derartige Änderung im Gespräch ist und man sich auf ein kurzfristiges Umflaggen der eigenen Yachten vorbereitet. Ein Geschäftsführer beklagte zudem, dass es in Zukunft schwer werden dürfte, deutschen Eignern eine Yacht im Chartermodell in der Türkei zu verkaufen, wenn diese dann unter türkische Flagge gestellt werden müsste. Denn damit fällt das eigene Schiff komplett unter die türkische Gesetzgebung. Da es immer wieder Berichte von Fällen gab, in denen türkische Firmen, deren Inhaber dem Regierungskurs nicht konform liefen, quasi enteignet wurden, stellt sich die Frage, was in einem solchen Fall mit Schiffen unter Landesflagge passiert.

Doch gestern Nachmittag fand ein Treffen zwischen dem türkischen Tourismusministerium und Vertretern der Charterbranche statt, in denen die Branche ihre Bedenken zum Ausdruck brachte. Zum einen drohe der Abzug ausländischer Yachten aus den Flotten und Marinas, und die Branche würde viele Charterwochen und die Werften Service- und Reparaturaufträge verlieren. Da die Kunden aber über Transfers, Restaurants, Märkte, Flüge und so weiter viel Geld in die Region bringen, sei eine so plötzliche Änderung der gängigen Praxis kontraproduktiv für die ohnehin derzeit wirtschaftlich gebeutelte Türkei.