Wie Beneteau mit der First Yacht 53 durchstarten will


 
 
 

Nach Jahren ohne Neuentwicklung wird der Weltmarktführer diesen Sommer die First-Reihe neu auflegen. Los geht’s im Oberhaus: gegen X-Yacht, Solaris & Co

Man muss sich das so vorstellen, als hätte Apple eine gefühlte Ewigkeit kein neues MacBook Pro herausgebracht. Als würde Canon jahrelang keine Weiterentwicklung der Profi-Spiegelreflex-Kamera EOS-1Ds betreiben. Oder als legte Porsche eine Kunstpause beim 911er ein. Beneteaus langes Innehalten bei der First-Reihe, das einer Art schleichendem Scheintod der einst legendär erfolgreichen Submarke gleichkam, wirkte fast wie eine Identitätsverweigerung, eine Selbstleugnung.

Über Jahrzehnte hatte sich die Werft mit Hauptsitz in St. Gilles an der Atlantikküste auch und gerade über ihre schnellen Yachten definiert. Unvergessen die sportlichen wie kommerziellen Erfolge etwa der First 40,7 oder, weit früher, der First 30.

Vor zehn Jahren dann versuchte Beneteau noch einmal, an die glorreichen Zeiten anzuknüpfen – mit der First 40 und der von Juan Kouyoumdjian gezeichneten First 30, beide innerhalb eines Jahres präsentiert. Doch die Wiederbelebung misslang. Die neuen Boote kamen just in einer Zeit auf den Markt, als die Nachfrage nach Performance-Cruisern insgesamt südwärts zeigte. Und sie konnten den Trend nicht umkehren – zu schwer, zu konservativ.

Jetzt will es der Weltmarktführer noch einmal wissen. Es ist der ausdrückliche Wunsch von Madame Roux‘, der Aufsichtsratschefin und Enkelin von Fimengründer Henry Beneteau. Deshalb übernahm die Werft vorigen Sommer Seascape, deren trailerbare Boote seither die Basis für das First-Angebot bilden. Und diesen Sommer wird auch das Oberhaus prominent besetzt.

Beim Yachting-Festival von Cannes soll im September die First Yacht 53 Premiere feiern – als erstes Modell einer Reihe von luxuriösen Performance-Cruisern. Sie ist das Ergebnis eines Design-Wettbewerbs, den Beneteau-Chef Gianguido Girotti vor mehr als zwei Jahren im kleinen Kreis ausgerufen hatte. Vier prominente Entwicklungsbüros nahmen teil, alle ohne Bezahlung. Am Ende machten zwei Italiener das Rennen: Lorenzo Argento, der als Stylist unter anderem schon für Wally gezeichnet hat, und der seit langem im America’s Cup tätige Roberto Biscontini als Konstrukteur.

Ihr Entwurf der 53 wirkt auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär. Der Rumpf weist recht füllige Linien auf, mit einem langen und zudem breitem Kajütaufbau, der ein Indiz ist für großzügige Innenraummaße. Fast fühlt man sich an ein reines Fahrtenboot erinnert. Beneteau gibt bisher aber auch nur eine Illustration frei, die zudem verhehlt, was das Design unverwechselbar macht: die offene Heckpartie, bei der Plicht und Deck nahtlos ineinander übergehen.

Interessant ist, dass Lorenzo Argento dem Boot einige Zitate früherer First-Serien mitgegeben hat – so etwa die oben partiell abgedeckten Aufbaufenster oder den hohen Anteil von formverleimten Möbelelementen unter Deck. Das, so hört man, kam besonders gut an bei Beneteau.

Zur Serienausstattung aller großen First, die am Namenszusatz „Yacht“ erkennbar sind, wird ein Kohlefaserrigg gehören. Das ist neu in dieser Klasse und soll den Booten auch ein Leistungs-Plus sichern. Denn sie können bei gleichem Ballastanteil deutlich mehr Segelfläche tragen. Rechnet man diesen Mehrwert mit ein, so verheißt die Werft, werde die First Yacht 53 „um mindestens 30 Prozent günstiger sein als der nächste Wettbewerber“. Das ist eine Ansage. Beneteau positioniert sich damit sehr selbstbewusst gegen die Konkurrenz von Grand Soleil, Ice, Mylius, Solaris und X-Yachts.

Und es wird nicht bei dieser einen Premiere bleiben. Parallel arbeiten die Entwickler um Gianguido Girotti bereits an einer kleineren First, die um die 35 Fuß groß sein und mehr in Richtung Mainstream orientiert sein wird. Sie soll als Bindeglied zwischen den von Seascape übernommenen Trailer-Booten (First 14, 18, 24 und 27) und der höherpreisigen First-Yacht-Reihe fungieren.