Kanadische Reederei baut Schiff mit Segeln und E-Antrieb


 
 
 

Segel und Elektromaschine: Der Frachter Ceiba emittiert auf See weder bei Wind noch in der Flaute und auch im Hafen kein Kohlendioxid: Das Schiff ist unabhängig von jeglicher Energieversorgung von außen. Schon der Bau und auch später der Betrieb des Schiffes sollen nachhaltig sein.

Zement, Möbel und Lebensmittel für Sylt, Strandkörbe, Holz und Mineralwasser für Hamburg, Kaffee, Kakao und Rum für Europa – und in Zukunft Lachs, Gewürze, Baumwolle und Kaffee zwischen Costa Rica und diversen Häfen an der Ostküste des Pazifiks: Seit einigen Jahren gibt es verschiedene Versuche, Frachten wieder per Segler zu transportieren. Vor einigen Tagen hat das kanadische Unternehmen Sailcargo den nächsten Anlauf gestartet: Es hat in Costa Rica mit dem Bau eines neuen, nachhaltigen Frachtseglers begonnen.

Die Ceiba ist ein 48 Meter langer Drei-Mast-Toppsegelschoner mit einer Segelfläche von knapp 590 Quadratmetern, der in seinem Laderaum 250 Tonnen Fracht transportieren kann. Da dazu auch verderbliche Waren gehören werden, braucht das Schiff eine Maschine, die es bei Flaute antreibt.

Die Maschine wird elektrisch betrieben, der Strom kommt von Akkus an Bord. Windräder und Solarzellen sollen sauberen elektrischen Strom erzeugen, um die Akkus zu laden. Das Schiff wird dadurch aber von einer externen Stromversorgung unabhängig sein. Es muss also in Häfen nicht an Landstrom angeschlossen werden.

Der Kile ist ein vom Sturm gefällter Baum

Auch der Schiffbau soll nachhaltig sein: Der Kiel ist ein Tamarindenbaum, den ein Sturm gefällt hatte. Für die Bäume, die für die Ceiba geschlagen werden, soll Ersatz gepflanzt werden. Sailcargo hat Costa Rica gewählt, um das Schiff zu bauen, weil das Land das Ziel hat, bis 2021 klimaneutral zu sein, das heißt alle Kohlendioxidemissionen zu kompensieren. Der Stapellauf wird voraussichtlich Ende 2021 stattfinden.

Die Ceiba soll auf einer Pacific Exchange (PAX) Line verkehren: von Costa Rica zu diversen Häfen an der Westküste Amerikas – von Peru über Mexiko und die USA bis Kanada – und bis nach Hawaii. Ihre Fracht soll unter anderem aus Kaffee, Kakao, Kurkuma, Vanille und Fisch bestehen. Alle Waren sollen nachhaltig erzeugt und fair gehandelt sein. Den Bau des Schiffes, der rund 3,6 Millionen US-Dollar kosten wird, will Sailcargo finanzieren, indem es Anteile des Schiffs an Investoren verkauft. Die Mindestsumme für den Einstieg beträgt 1.000 US-Dollar.

Die Idee eines Frachtseglers ist nicht neu: Ab 2013 verkehrte der Gaffelschoner Undine im Liniendienst zwischen Sylt und Hamburg. Die Reederei ging aber nach drei Jahren bankrott. Seit 2016 fährt die Reederei Timbercoast aus Elsfleth bei Bremen mit der Avontuur Fracht für Europa über den Atlantik. Der Zweimastschoner transportiert unter anderem Kaffee und Kakaobohnen sowie Rum. VW wollte vor einigen Jahren den Frachtsegler Ecoline in Dienst stellen, der Autos über den Atlantik und den Pazifik transportieren sollte. Das Projekt wurde aber eingestellt.

Meist wird heutzutage der Wind eher als Hilfsantrieb eingesetzt: Das finnische Unternehmen Norsepower stattet Schiffe mit Flettner-Rotoren oder Rotorsails aus, die bei geeignetem Wind Vortrieb generieren und so die Maschine entlasten.