Unter eigenen Segeln: Touristen stechen immer häufiger auf eigene Faust in See


 
 
 

Das Wasser ist und bleibt eines der beliebtesten Reiseziele weltweit. Vor allem europäische Urlauber zieht es immer noch ans Meer. Neben Sonne und Strand sind in den letzten Jahren auch Bootstouren immer beliebter geworden.

Statt unter fremden Segeln auf einem Segel- oder Motorboot anzuheuern, stellen sich viele Touristen aber immer häufiger gerne selbst ans Ruder. Dabei sollten Sicherheitsaspekte aber eine größere Rolle spielen als Fernweh und Abenteuerlust.

Frische Seeluft atmen, das Rauschen der Wellen genießen und dem Fernweh freien Lauf lassen. Ein Aufenthalt am Meer ist für viele Reisende der Inbegriff von Freiheit und Entspannung. Tatsächlich gehört der Urlaub an der See immer noch zu den beliebtesten Möglichkeiten, freie Zeit zu verbringen. Wer das Meer so richtig hautnah erleben möchte, bleibt allerdings nicht am Strand auf seinem Handtuch liegen oder stürzt sich für ein paar kräftige Schwimmzüge in die Fluten. Eine Seereise sorgt für genug Wind, Wasser und Abenteuer. Wer jetzt allerdings an Luxuskreuzfahrten denkt, ist auf dem falschen Dampfer. Das echte Meeresfeeling gibt es nicht an Bord der schwimmenden Luxushotels, sondern bei einem Segeltörn oder auf der Motoryacht, und zwar auf eigene Faust. Do-It-Yourself-Segeln liegt voll im Trend. Doch des Einen Freud ist des Anderen Leid. Rettungsdienste, die für Havarien auf dem Wasser zuständig sind, wünschen sich vielfach bessere Sicherheitsunterweisungen und mehr Erfahrung, wenn Urlauber sich selbst ans Ruder wagen.

Das richtige Equipment ist nur die halbe Miete

Hobbykapitäne können sich freuen. Die Möglichkeit, mit einem gemieteten Segel- oder Motorboot selbst in See zu stechen, sind heute vielfältig. In Holland gehört es zu den beliebtesten Touristenattraktionen, mit einem angemieteten Motorboot durch die Grachten zu schippern. Ein Bootsführerschein oder praktische Erfahrung? Nicht notwendig! Nach einer kurzen Unterweisung kann es auch gleich losgehen. Auch ein mehrtägiger oder sogar mehrwöchiger Urlaub auf dem Hausboot ist bei vielen Anbietern inzwischen ganz ohne Bootsführerschein möglich.

Dem einen oder anderen Seeretter jagt diese Tatsache einen Schauer über den Rücken, denn unerfahrene Segler oder Motorbootausflügler gehen durchaus ein hohes Sicherheitsrisiko ein. Trotzdem sieht der Gesetzgeber das Führen eines Bootes ohne entsprechende Fahrerlaubnis unter bestimmten Bedingungen ausdrücklich vor, wie der Delius Klasing Verlag in seinem Blog erläutert:

„In Deutschland gibt es zwei Ausnahmen von der allgemeinen Bootsführerscheinpflicht. Zum einen gilt unter bestimmten Umständen eine Führerscheinfreiheit bis 15 PS (11,03 kW) Nutzleistung. Zum anderen können in bestimmten Revieren auch Schiffe oder Hausboote mit wesentlich höherer Motorleistung mit einer Charterbescheinigung ausgeliehen werden.

Führerscheinfreiheit im See- und Binnenbereich

· Motorisierung bis 15 PS

· Mindestens 16 Jahre alt

· Geistig und körperlich geeignet

Ausnahmen

· Die 15-PS-Grenze gilt nicht (bzw. mit Einschränkungen) auf dem Rhein, dem Bodensee, Landesgewässern oder auf Teilen der Spree-Oder-Wasserstraße

· Auf dem Rhein gilt eine Führerscheinfreigrenze von 5 PS, auf dem Bodensee von 6 PS

· Im Seebereich dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren Sportboote mit max. 5 PS Nutzleistung führen“

(Quelle: https://www.delius-klasing.de/blog/bootfahren-ohne-fuehrerschein)

Staat eines Bootsführerscheins können motorisierte Boote in begrenztem Rahmen auch über die Obergrenze von 15 PS hinausgeführt werden, und zwar mit einer so genannten Charterbescheinigung. Sie wird vom Vermieter des Bootes ausgestellt. Voraussetzung für den Erwerb einer Charterbescheinigung ist eine mindestens dreistündige Unterweisung durch geschultes Fachpersonal. Nach dem Erwerb der Charterbescheinigung dürfen Hobbykapitäne in See stechen, auch ohne die Begleitung eines erfahrenen Bootsführers. Allerdings gilt die Charterbescheinigung nur für ein genau umgrenztes Gebiet, die ausschließliche Nutzung des angemieteten Bootes und den durch den Mietvertrag begrenzten Zeitraum.

Umfangreichere Einweisungen können Leben retten

An der mindestens dreistündigen Einweisung kommen Touristen nicht vorbei, wenn sie mit einer Charterbescheinigung in der Tasche die Wellen erkunden möchten. So wird ihnen zumindest eine gewisse Grundlage an Kenntnissen und Fertigkeiten vermittelt, die sich auf dem Wasser als wertvoll erweisen können.

Zur Unterweisung gehört ein theoretischer Teil, der Verkehrsregeln auf See, gesetzliche Rahmenbedingungen, Verhaltensregeln und Verantwortlichkeiten, theoretische Kenntnisse des zu befahrenden Gebietes sowie ein umweltfreundliches Verhalten an Bord umfasst. Meist gibt es die vermittelten Inhalte noch einmal zusammengefasst als praktisches Handbuch für unterwegs.

Im praktischen Teil der Unterweisung lernen Bootsführer die Funktionalitäten und die Handhabung des Schiffes kennen. Dazu gehören routinemäßige Handgriffe wie Wartungs- und Reparaturarbeiten und die Navigation. Auch erste Hilfe in Notsituationen wie das Anlegen der Rettungswesten, das Absetzen eines Notrufes, Mensch-über-Bord-Manöver und allgemeines Verhalten in Notsituationen oder im Falle eines Unfalles werden vermittelt. Schließlich ist die Sicherheitsausrüstung an Bord nur so gut wie die Menschen, die im Ernstfall möglichst professionell und fehlerfrei damit umzugehen haben.

Hier wünschen sich Seenotretter vielfach eine etwas umfangreichere Einführung, denn im Ernstfall sind die meist unerfahrenen Touristen zunächst selbst für ihre Sicherheit und die aller Mitreisender verantwortlich. Ein routinierteres und selbstverständlicheres Verhalten in Gefahrensituationen und ein fehlerfreier Umgang mit der an Bord befindlichen Rettungsausrüstung kann je nach Art der Notsituation die Entscheidung bringen. Das ist allerdings vielfach nur ein frommer Wunsch, denn wer reagiert schon professionell und sicher, wenn er in einer grundlegend fremden Umgebung plötzlich in eine Notlage gerät? Einen kühlen Kopf zu bewahren und sich an die Details der Sicherheitsunterweisung zu erinnern, ist dann möglicherweise gar nicht so einfach. Experten raten Touristen deshalb, es langsam angehen zu lassen und sich bei den ersten Ausflügen auf ruhige und küstennahe Gewässer zu beschränken. So bleibt genug Zeit, um sich erst einmal mit den Gegebenheiten auf See und die Handhabung des Bootes zu konzentrieren. Ist hier eine gewisse Routine und Selbstverständlichkeit eingekehrt, steht einem Aufbruch zu neuen und entfernteren Ufern nichts mehr im Wege.