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Carlo Riva: Eine Yacht-Legende lebt in Flensburg weiter

Das „Robbe & Berking Heritage Center“ ist ein in Nordeuropa einmaliges Yachtbau-Museum. Die neue Ausstellung zeigt den Mythos der Riva-Motorboote.

HamburgBrigitte Bardot drückt sich den Hut aufs blonde Haar, das im Fahrtwind weht. Neben ihr steht Lebemann Gunter Sachs in Badehose am Steuerrad der kleinen Yacht und winkt lachend zum Ufer bei Saint-Tropez hinüber. Auf der Seitenwand des kleinen Sportbootes prangt in glänzenden Buchstaben der Name „Riva“. Szenen wie diese erlebte man in den 1960er-Jahren an der Cote d’Azur häufig. Die eleganten Yachten des italienischen Konstrukteurs Carlo Riva waren eins der großen Statussymbole der High Society.

Den Anblick, für den Bewunderer damals nach Südfrankreich reisen mussten, finden sie nun am Flensburger Industriehafen. Mit dem „Robbe & Berking Yachting Heritage Center“ ist dort ein in Nordeuropa einzigartiges Museum für klassischen Yachtbau entstanden. Eine neue Ausstellung zeigt die Modelle von Carlo Riva.

„Die große Begeisterung für Riva-Boote habe ich in Deutschland erstmals 1999 erlebt“, erinnert sich Museumsgründer Oliver Berking, der die weltbekannte Silberschmiede Robbe & Berking leitet. Damals habe er neben klassischen Segelyachten erstmals auch Boote des italienischen Konstrukteurs zur Regattaserie „Robbe & Berking Sterling Cup“ eingeladen. „Neben 200 Segelyachten kamen so viele Rivas, dass wir an der Flensburger Hafenspitze für die Veranstaltung eine zusätzliche Schwimmbrücke auslegen mussten“, sagt Berking.

Die offenen, eleganten Motorboote mit ihrem Rumpf aus Mahagoni und auf Hochglanz polierten Beschlägen machten ihren Konstrukteur weltberühmt. Die Werft am Iseosee hatte Carlo Riva 1950 von seinem Großvater übernommen. Seine Boote sind nur dafür gemacht, bei schönstem Wetter über Seen und durch Buchten zu fahren und als Zugfahrzeug für Wasserskiläufer oder schlicht als edles Transportmittel zu einem Stopp in der Badebucht zu dienen.

Der Hype nach alten, noch von Carlo Riva selbst gezeichneten und gebauten Motorbooten ist bis heute ungebrochen. Weltweit gibt es Fans der begehrten Riva-Boote aus der Feder des „Ingegnere“, wie der Konstrukteur genannt wurde, die mit einem markanten Blubbern der Motoren ihren Nimbus noch unterstreichen.

Im Flensburger Museum finden sich heute neun klassische Riva-Boote unterschiedlicher Größe. Für Initiator OIiver Berking geht mit der Eröffnung der neuen Ausstellung über das Leben und Werk des Konstrukteurs, der im vergangenen Jahr starb, ein lange gehegter Traum in Erfüllung. Denn auch wenn manch ein Segler über Motorbootskipper leicht arrogant die Miene verzieht – nach einer Riva drehen auch sie sich bewundernd um. Die ausgestellten Riva-Boote sind als markante Blickfänger die Hauptattraktion der neuen Sonderausstellung des Museums, die noch bis zum 15. April 2019 geöffnet hat.

Mit wechselnden Ausstellungen, einem italienischen Restaurant, der weltgrößten Sammlung maritimer Literatur und Zeitschriften sowie einer gut besuchten Kunstgalerie gelingt es Berking und seinem Team, das Museum zu einem attraktiven Ort zu machen – auch wenn die Lage am Flensburger Industriehafen für ein Museum eher untypisch und von der historischen Innenstadt aus nicht gerade fußläufig erreichbar ist.

Das architektonisch ein wenig mit industriellem Charme kokettierende Museum ist nur ein Teil des von Berking gegründeten Zentrums für klassischen Yachtsport an der Flensburger Förde. In unmittelbarer Nachbarschaft ist in den vergangenen zehn Jahren die Werft Robbe & Berking Classic entstanden, die sich komplett auf die Restaurierung klassischer Rennyachten spezialisiert hat. Vor allem die großen Meterklassen, allen voran die majestätischen Zwölfer, in denen von 1959 bis 1987 um den begehrten America’s Cup gesegelt wurde, haben es Oliver Berking angetan.

Doch der leidenschaftliche Segler kennt als Kaufmann auch das wirtschaftliche Potenzial hinter seinem Hobby. Als einer der Ersten in Nordeuropa erkannte er das neu erwachte Interesse an klassischen, hocheleganten Regattayachten. Nicht nur im Mittelmeer ist der Besitz einer klassischen Regattayacht inzwischen ein bedeutendes Statussymbol.

Mehr und mehr gut betuchte Eigner aus Nordeuropa investieren inzwischen in Rennyachten, die oft älter sind als sie selbst. Es sind Schiffe mit einer oft glanzvollen Vergangenheit, die von berühmten Wirtschaftsmagnaten gesegelt wurden und sogar gegen die kaiserliche Yacht „Meteor“ auf der Regattabahn antraten.

Was aus einer solchen Leidenschaft werden kann, zeigt sich an der Erfolgsgeschichte der Werft Robbe & Berking Classic. Das erste Projekt war 2007 die komplette Restaurierung der „Sphinx“, die Berking zusammen mit zwei Freunden in arg desolatem Zustand von der deutschen Marine kaufte. Fachkenntnis im Umgang mit klassischen Yachten war an den deutschen Küsten damals rar. So entschied sich Berking nach der erfolgreichen Restaurierung der Yacht, den Werftbetrieb auszubauen.

Neben der hochkomplexen Wiederherstellung bietet die Werft auch beständige Wartung und Pflege der Schiffe an. Während des Winters stehen neben zahlreichen anderen Holzyachten elf klassische, große Zwölfer in den Flensburger Werfthallen – so viele wie an keinem anderen Ort der Welt.

Aktuell wird auf der Werft an der kompletten Wiederherstellung der „Jenetta“ gearbeitet, mit 21,78 Metern Länge der größte je gebaute Zwölfer. Das Wrack der 1939 für den Zuckerkönig William Burton gebauten Yacht entdeckte Oliver Berking bereits vor acht Jahren auf dem Grund des Pitt Lake nahe Vancouver.

Arbeit am Wrack der „Jenetta“

Er ließ die Überreste des Schiffes – neben dem 17 Tonnen schweren Ballastkiel noch Rudimente der Bug- und Hecksektion – auf das Gelände seiner Werft in Flensburg transportieren. Berking hatte das Ziel, einen Liebhaber für den historischen Zwölfer zu finden, der bereit ist, in eine umfassende, möglichst originalgetreue Restaurierung zu investieren.

Nun hat sich ein Kreis von Eignern aus Hamburg, Kopenhagen und Bremen gefunden, die nicht nur finanziell zusammenlegen, um die aufwendige Wiederbelebung der „Jenetta“ zu ermöglichen, sondern das Schiff auch ab der kommenden Saison auf den Regatten aktiv segeln werden. In den letzten Monaten wurde der Rumpf des Schiffes gebaut, im Oktober wurde er feierlich aus der Werkshalle herausgeholt und umgedreht.

In den kommenden Monaten wird nun am Innenausbau und Deckaufbau gearbeitet. Die Planken werden aus 38 Millimeter starkem Mahagoni mit Eschenspanten und Edelstahlspanten verschraubt. Kiel und Steven sind ebenfalls aus Mahagoni.

Läuft alles nach Plan, wird im April 2019 der zweite Stapellauf der Yacht gefeiert, die dann zu ihrem 80. Geburtstag mit der Segelnummer K1 auf den Regatten der klassischen Zwölfer nicht nur eine gute Figur machen, sondern auch ganz vorne dabei sein soll. Höhepunkt im Regattakalender der Zwölfer auf der Ostsee ist im kommenden Jahr der 25. Robbe & Berking Sterling Cup vom 13. bis 15. Juni. Die wertvollen Silberpreise, die an die Gewinner vergeben werden, kommen ebenfalls aus Flensburg.

Auch wenn bisher noch keines der Riva-Boote zu Gast in den Werfthallen war – Oliver Berking würde es freuen, wenn er einem der motorisierten Schmuckstücke zu neuem Glanz verhelfen könnte. „Boote, die zu uns kommen, müssen nur zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssen aus Holz und so schön sein, dass wir mit Freude und Stolz an ihnen arbeiten können“, verdeutlicht er. „Das trifft auf Rivas nun ohne jeden Zweifel zu.“

In der „Hall of Fame“

Die „Sphinx“, das Schiff, mit dem alles anfing, ist mit ihrem glänzend-dunkelblauen Rumpf und roten Unterwasserschiff inzwischen einer der Stars auf den Regattabahnen in der Ostsee. Und ihr Konstrukteur Henry Rasmussen, Chef der renommierten deutschen Werft Abeking & Rasmussen war das erste Mitglied der „Hall of Fame“ des Museums.

Ihm zur Seite stand von Beginn an Konstrukteur Johan Anker, der sich nicht nur durch die Zeichnung der noch immer populären Drachenklasse international einen Namen machte, sondern auch als einer der besten Konstrukteure der Meter-Klassen gilt. Sein nie realisierter letzter Lebensentwurf – ebenfalls ein Zwölfer – ist 2015 mit 75-jähriger Verspätung unter dem Namen „Siesta“ für einen dänischen Kunden bei Robbe & Berking vom Stapel gelaufen.

„In unsere ‚Hall of Fame‘ gehören Frauen und Männer, deren Schaffen den Yachtsport nachhaltig weltweit positiv geprägt hat“, sagt Oliver Berking. Nun wird den beiden Vätern des modernen Segelsports ein dritter Kopf zur Seite gestellt – der von Carlo Riva.

Die Ausstellung „Carlo Riva. The Man – The Myth – The Legend“ im Flensburger Yachting Heritage Center ist bis zum 15. April 2019 zu sehen.