AIDAnova erreicht die Nordsee – So geht die Reise weiter

Die AIDAnova hat ihre erste Reise verspätet angetreten. Mittlerweile hat sie die Nordsee erreicht – die Überführung läuft noch weiter.

Papenburg. Die AIDAnova hat die Nordsee erreicht. Am Dienstag um 13.10 Uhr passierte das neue Kreuzfahrtschiff aus der Meyer-Werft in Papenburg das Ems-Sperrwerk bei Gandersum. Es war die letzte Engstelle auf der Ems-Überführung, die am Montagabend an der Werft begonnen hatte.

Um 18.35 Uhr hieß es dort: Leinen los! Hunderte Schaulustige fieberten diesem Moment seit den Nachmittagsstunden entgegen. Viele reisten mit dem Wohnmobil aus dem ganzen Bundesgebiet an, um sich dieses Spektakel aus der Nähe anzusehen.

Einige hatten sich mit Proviant eingedeckt und ihre Campingtische und -stühle frühzeitig in der ersten Reihe platziert. Dabei hätte man auch ohne eigene Verpflegung weder verhungern noch verdursten müssen: Etliche Buden versorgten die Besucher mit Currywurst, Kuchen und Getränken.

AIDAnova-Überführung mit Verspätung

Die Kreuzfahrtfans mussten lange ausharren. Ursprünglich sollte die Überführung der AIDAnova bereits am Montagmorgen um 7 Uhr beginnen. „Daraufhin habe ich mir extra frei genommen“, erzählt ein Besucher am Rande des Werfthafens.

„Der Countdown läuft“, hieß es zuvor noch in einem Tweet der Wasserschutzpolizei. „Die #AIDAnova liegt in den Startlöchern.“ Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, auch das Wetter spiele mit.

Am Sonntag kommunizierte die Werft die etwa neun- bis zwölfstündige Verzögerung. Da hatten viele ihren Tag in Papenburg bereits geplant. Später verkündete der Kreuzfahrtanbieter AIDA auf seiner Internetseite, „gegen 19.30 Uhr“ heiße es „Leinen los“.

Aber so ist das: So eine Überführung über die kleine Ems ist eine logistische und organisatorische Herausforderung, für die alle Rahmenbedingungen stimmen müssen.

Und auf die entscheidendsten Faktoren hat der Mensch wenig bis gar keinen Einfluss: Wetter, Wind und Wasserstand. Insofern ist der Vorlauf für die konkrete Planung klein. Erst Mitte vergangener Woche präsentierte die Meyer-Werft den Zeitplan für die Überführung – um ihn dann am Sonntag zu korrigieren.

Weitere im Laufe des Tages befürchtete Verzögerungen blieben aus. Eine gute halbe Stunde nach dem Start erreichte das Schiff das erste Nadelöhr: die Dockschleuse. Der 45 Meter breite Übergang vom Werfthafen zur Ems ist nicht wirklich üppig für ein 42 Meter breites Kreuzfahrtschiff.

AIDAnova ist 42 Meter breit

Zentimeter für Zentimeter schob sich der 337 Meter lange Ozeanriese durch die Schleuse. Vorne und hinten am Schiff sorgte je ein Schlepper für Unterstützung bei der perfekten Positionierung.

Auf der Brücke hatte einer den Gesamtüberblick: Werftkapitän Wolfgang Thos. Er steuerte bereits mehrere Kreuzfahrtschiffe erfolgreich über die Ems. Natürlich macht er das nicht allein. „50 Menschen an Bord sind direkt mit der Überführung beschäftigt“, sagte Peter Hackmann, Pressesprecher der Meyer-Werft. Hinzu kämen etwa 750 weitere Werftarbeiter für den Innenausbau. „Und 400 bis 500 Crew-Mitglieder sind auch schon an Bord.“

Macht unterm Strich schon über 1200 Menschen. Menschen, die während der Ems-Passage auch Zeit fanden, den zahlreichen Beobachtern am Ufer zuzuwinken. Was bei einigen Schaulustigen gleich die Frage aufwarf: „Was sind das für Leute, die bei solch einer Fahrt an Bord dürfen?“ Um die Fragesteller zu beruhigen: Buchen konnte man diese Tour nicht – auch nicht für viel Geld.

Die Passage der Dockschleuse ging deutlich schneller über die Bühne als erwartet. Nach knapp anderthalb Stunden, gegen 20 Uhr, ertönte dreimal das laute Schiffstyphon als Signal: erstes Nadelöhr erfolgreich gemeistert!

AIDAnova gehört zu den größten Kreuzfahrtschiffen

Und das bei dieser Größe! Die AIDAnova ist das bislang größte in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff und gehört damit zu den größten der Welt. Sie bietet bei voller Auslastung Platz für bis zu 6600 Passagiere, um deren Wohl sich eine 1500 Mann und Frau starke Crew kümmert. Nur die Oasis-Klasse der Reederei Royal Caribbean ist noch größer.

Die AIDAnova hatte auf ihrer Fahrt Richtung Nordsee noch andere Engstellen zu passieren: die Friesenbrücke bei Weener, die Jann-Berghaus-Brücke bei Leer sowie Dienstagmittag das Ems-Sperrwerk bei Gandersum.

Auch die Nacht über begleiteten viele Kreuzfahrt- und AIDA-Fans die Fahrt des Ozeanriesen. Gegen 1 Uhr passierte das Schiff die Deichterrasse des Gasthofs Fährhaus. Hier harrten zu dieser Stunde Dutzende Menschen aus, um die AIDAnova einmal aus nächster Nähe zu sehen.

Wobei das mit dem Sehen um 1 Uhr so eine Sache war. „Ich hatte gehofft, dass das Schiff heller erleuchtet ist“, sagte jemand leicht geknickt. „Naja, vielleicht müssen sie Strom sparen.“

Schiff wird mit Flüssiggas betrieben

Vom Zielhafen des Schiffs, Eemshaven in den Niederlanden, starten in den nächsten Wochen etliche Probefahrten durch die Nordsee. „Samstag fahren sie erstmals raus zu einer viertägigen Fahrt“, so Hackmann. „Ende Oktober steht dann eine neuntägige Probetour auf dem Plan.“

Hierbei wird besonders der neue innovative Antrieb getestet: Die AIDAnova ist das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das vollständig mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden kann. In den Niederlanden wird das neue Schiff erstmals mit dem neuen „Kraftstoff“ betankt. LNG wird bei einer Temperatur von minus 163 Grad flüssig in den Tanks an Bord gelagert. Zur Verbrennung wird es gasförmig in den Motor geleitet.

„In der Werft war eine Betankung mit Flüssiggas nicht möglich“, so Peter Hackmann. Aus zwei Gründen: Zum einen wegen behördlicher Auflagen, zum anderen, um das Schiff nicht unnötig zu belasten. „Bei so einer Ems-Passage wollen wir das Schiff natürlich möglichst leicht halten.“ Acht Meter beträgt der Tiefgang der AIDAnova. An machen Stellen ist die Ems nur neun Meter tief. Da kommt es also auf jeden Zentimeter an.

Am 15. November wird das Schiff in Bremerhaven offiziell der Reederei übergeben. Peter Hackmann ist zuversichtlich, dass bis dahin alles fertig ist. „Natürlich ist da gehörig Druck auf dem Kessel, das ist immer so. Aber ich bin optimistisch. Die ersten Gäste können pünktlich kommen.“

Am selben Tag startet die erste von vier viertägigen Kurzreisen, bevor die AIDAnova am 2. Dezember von Hamburg aus zur Jungfernfahrt Richtung Kanaren aufbricht.

Nach der erfolgreichen Überführung freut man sich auch bei AIDA auf die kommenden Wochen. „Wir sind glücklich, dass wir mit der Emsüberführung von AIDAnova eine weitere Etappe gemeistert haben“, sagte Pressesprecher Hansjörg Kunze unserer Redaktion.

„Jetzt kann es losgehen mit der technischen Erprobung auf der Nordsee. Das Schiff kommt zum ersten Mal in Fahrt und erwacht so richtig zum Leben. Wir können es kaum erwarten, am 15. November den ersten Gästen unsern neusten Flottenzuwachs zu präsentieren.“

Das ist die AIDAnova:

Die AIDAnova hatte am 21. August 2018 das Baudock der Meyer Werft verlassen . Der Kreuzliner ist einer der größten der Welt mit 2600 Kabinen, Platz für bis zu 6600 Passagiere, 16 Restaurants und 17 Bars. Das Schiff ist 337 Meter lang und 42 Meter breit. Aida gehört zu den beliebtesten Betreibern von Kreuzfahrten: Das sind die wichtigsten Infos zu Aida Cruises.